04 November 2005

 

Reisebericht Nina & Sascha


Sunday breakfast
Originally uploaded by
andokedo.

Kalifornien / Oregon / Seattle
16. bis 31. Oktober 2005


Nach rund 13 Stunden Flug und Aufenthalt in London haben wir es geschafft: Die neue Welt aus dem Blinkwinkel des liberalen San Francisco wartet auf uns. Der Autoverleiher am Flughafen stuft uns noch hoch, so dass wir gegen Sonnenuntergang in unserem Chevi Malibu auf dem Weg zu Andi und Kerstin sitzen. Kaum eine halbe Stunde gefahren, stehen wir auch schon im Stau: genau so hatten wir uns die Staaten vorgestellt. Die Autos um uns herum machen Motorgeräusche wie bei uns die LKW’s. Im Schnitt sind die Autos deutlich größer und haben sicherlich doppelt so viel Hubraum. Bei Kerstin & Andi erwartet uns eine Pizza. Also genau eine für alle. Nicht etwa, dass die beiden so geizig wären, die Pizza ist in etwa so gross wie ein Autoreifen.

Schon der erste Tag lässt meine schlimmsten Befürchtungen war werden: Shopping im Outletcenter Great Mall. O.k., ich will mich nicht beschweren, habe ich doch am Ende so viel gekauft wie die beiden Mädels (Andi musst sich auf die Messe vorbereiten) zusammen. Heute abend lernen wir noch die wirklichen Vorzüge dieser Breitengrade kennen: Wir schlappen mal eben noch zum Pool rüber und läuten den Abend mit Sekt (getarnt in der Wasserflasche) im Wirlpool ein. Danach treten wir bei einem tollen Italiener den Beweis an, dass Amerika mehr als Junkfood zu bieten hat, was sich noch vielmals wiederholen sollte.
Gegen später lernen wir noch Moni & Bernd kennen, die ähnlich „touristengeplagt“ mit Tatjana und Klaus sind, wie Kerstin & Andi mit uns.

Nach dem ersten Akklimatisierungstag geht es heute in die Stadt. Von Pier 39 über Fishermans’ Warf bis zur Cable Car nehmen wir heute so ziemlich alles wahr, was das touristische San Francisco zu bieten hat. Nur zu einem kann uns keiner bewegen: Die so genannte Clam Chowder (Muschelfleischsuppe) ist für nicht Fischesser eher schauderhaft. Ansonsten bietet der Tag noch guten chinesischen Tee aus dem Teeshop in Chinatown und schlechtes Wetter, wegen dem wir die Ausguckpunkte einfach aus lassen.
Den „Asientag“ komplettieren wir dann noch mit einem Super Essen beim Hana Japan, wo der Koch die bestellten Gerichte mit grosser Prezission vor uns durch die Luft wirbelt und mit Öl nette Feuerchen mit viel Qualm macht.

Von Mittwoch an machen wir uns auf den Weg zu unserer Vier-Tages-Tour Richtung Yosemite Park. Die gewaltigen Massive der Berge beeindrucken uns sehr. Nach bester amerikanischer Mentalität ist (fast) alles gut mit dem Auto zu erreichen. Wir laufen zum Sentinel Dome oberhalb des Yosemite-Tales, von wo aus wir einen tollen Rundumblick haben oder besser gesagt hätten, wenn nicht ein tief liegender Nebel uns beweisen würde, dass eben nicht jeder Tag Postkartencharakter hat. Am Glacier-Point das gleiche Bild: Viel Nebel, aber die Höhen und Abgründe versetzen uns trotzdem ein Knieschlackern. So gegen 4 Uhr machen wir uns auf den Weg über den 3031m hohen Tioga Pass und schaffen es so gerade noch in der Dämmerung am Mono-Lake die Salzsäulen aus dem Wasser ragen zu sehen, eine wirklich gruselige Atmosphäre in dieser lebenskargen Gegend. Im Dunkeln fahren wir dann noch bis Minden / Nevada, wo die ersten Casinos die Straße säumen und die Motels verbilligen J.
Am kommenden Morgen geht es über den nächsten Gebirgszug, von dem wir einen fantastischen Ausblick auf unser Tagesprogramm, den Lake Tahoe haben. Wir umrunden den See komplett mit vielen sehenswerten Zwischenstopps. Der Skilift, der wenige Meter vom Seeufer abgeht, gibt Aufschluss darüber, wie viele Freizeitmöglichkeiten der See bietet. Wir mieten uns auf der kalifornischen Seite in einem Motel ein, um gegen 8 Uhr über die Ampel nach Nevada zu gehen, dort im Casino gut und preiswert zu essen und dann beim Roulette glatt mal 60 Dollar zu verspielen. Die Rechnung der Casinobetreiber scheint also aufzugehen, obwohl wir für den Spass auch fast drei Stunden bei freien Getränken gebraucht haben.

Die Rückfahrt nach San Francisco nimmt fast den ganzen Samstag ein, aber trotzdem schauen wir noch in Sacramento vorbei, wo die wiederaufgebaute Westernaltstadt neben den modernen Hochhäusern starke Gegensätze bildet. Gegen frühen Abend erreicht uns dann Andis’ Anruf, dass wegen der z.Z. großen Ansammlung von deutschen Urlaubern das Halloweenfest eine Woche vorverlegt wird. Glänzend verkleidet als Engel & Teufel (Moni & Kerstin) und Bayerin & Macho (Nina & Sascha, das sind wir) sowie als Proll (Bernd), Bayer (Ashley) und Frau ! (Andi). Letzterer fühlte sich in seiner Rolle sehr wohl, was wohl ganz besonders belegt, dass er sich in San Francisco gut eingelebt hat J

Aus gegebenem Grund können wir den nächsten Mogen nicht ganz so früh starten. Zum Glück haben wir aber mit der Befahrung des Mount Diavolo und eines Rundgangs in Walnut Creek ein eher übersichtliches Tagesprogramm geplant. Auf dem Weg zum Mount Diavolo kreuzt eine Tarantel unseren Weg. Andi hält sofort an, um die Spinne genauer zu betrachten, doch ist der von hinter uns kommende PKW schneller und uns bleibt nur noch die Obduktion L

Ein weiterer Tag San Francisco brachte, wie sollte es anders sein: viel Nebel und wenig Sicht. Also endet unser 49 Miles Drive gegen Nachmittag in der Great Mall, wo wir am Ende einen großen (1m hohen) Koffer kaufen - nicht wollen – sondern müssen, damit wir die bis hierher eingekaufte Kleidung nach Hause bringen können. Die Preisvorteile insb. bei Schuhen und Jeans sind einfach zu verführerisch. Ich hoffe der deutsche Zoll liest nicht mit.

Dienstag morgen beschließen wir die tolle Gastfreundschaft von Kerstin & Andi mit einem Frühstück bei Deans und machen uns auf den Weg gen Norden. Unsere Strecke beginnt an der Golden Gate Bridge (auf der anderen Seite), die heute ausnahmsweise nicht im Nebel liegt. Also schell noch ein paar Fotos von der „Postkartenseite“ gemacht und dann weiter die Küste rauf. Der Reiseführer sagt, dass man die atemberaubende Küstenstrasse gerade am Anfang nur mit ca 35 Meilen die Stunde befahren kann. Und er hat mehr als Recht. Zudem machen wir noch ständig Stops, da die Küstenausblicke ein Vorbeifahren einfach nicht möglich machen. Zum Schlafen suchen wir uns ein Motel in Ukiah im Landesinneren. Wie immer ist es kein Problem, ein Motel zu finden (stehen wie die Fastfoods alle an einem Platz, meist Ortsein- oder ausgang am Highway) und erst gegen 20 Uhr zu buchen. Die Auswahl ist (außerhalb der Saison) sehr gut, die Motels kosten uns fast immer zwischen 60 und 80 $ (Doppelzimmer).

Den nächsten Morgen erwartet uns das Küstenörtchen Mendocino, dass aber außer der tollen Steilküste für uns relativ wenig zu bieten hat. Wir geniessen unser bei Safeway gekauftes Muffinfrühstück bei Wellentosen. Jetzt gilt es erst mal einige Meilen zu machen und das fällt uns auch gegen Nachmittag nicht schwer, da es anfängt zu regnen. Wir schaffen es also bis Arcata. Das Wetter wechselt noch mal komplett und so besteht die Chance auf einen Sonnenuntergang an der Küste. Wir kaufen also schnell eine Flasche Wein, einen Korkenzieher und zwei Gläser, alles für einen Dollar, ausser der Weinflasche versteht sich. In einem Fahrspurt schaffen wir es noch bis zu einer schönen Küstenstelle und beenden tatsächlich das Tageslicht mit Wein am Sandstrand.
Das anschliessende „Oriental Buffet“ ist äusserst empfehlenswert, wir haben in unseren zwei Wochen selten besser gegessen.

Wir wissen, dass der nächste Tag ein Höhepunkt unserer Reise werden wird und stehen früh auf, sehr früh für Urlaub (6 Uhr 30). So sind wir schon im Redwood National Park bevor die Visitors Information Center aufmachen und freuen uns, dass wir nicht im Örtchen Orick übernachtet haben, denn hier sieht es aus, als ob sich die letzten 30 Jahre hier baulich nichts mehr verändert hätte. Ein paar Meilen weiter überrachen uns die wilden Elche, welche direkt an der Strasse im Frühnebel grasen. Im Visitorscenter lassen wir uns eine Wanderroute von ca. 3 Stunden empfehlen mit dem Hinweis, dass es hier noch Braunbären gibt und die Elche machmal etwas „moody“ sind. Nun ja, unerschrocken marschieren wir los in einen Märchenwald, wie wir ihn noch nie gesehen haben, vergleichbar allenfalls mit Fernsehbildern aus Jurassic Park. Die kleinen Bäume und Pflanzen sind umgarnt von Flechten. Die riesigen Redwoods machen uns einfach sprachlos. Mit über 100m Höhe sind auch diese Bäume mindestens doppelt so hoch wie alles Wachsende in Europa. Wir sehen in den drei Stunden weder ein Tier noch einen Menschen.
Wir fahren danach noch in den „Fern Canyon“, wo wir zum ersten mal überhaupt Eintritt bezahlen. Bei der Einfahrt sehe ich noch ein ca. 60cm großes Etwas über den Weg springen, kann aber leider nicht mehr erkennen, was es war. Mein Tipp geht in Richtung Katze, und das sind nicht die, die wir mit Wiskas füttern. Der Fern Canyon ist eher unspektakulär, deshalb fahren wir zügig weiter, um noch ein paar Meilen zu machen.
In Coos Bay sehen wir Berge, diesmal von Sägespähnen: Amerikas größter Holzumschlagplatz. Hier übernachten wir.

Die Fahrt an der Küste von Oregon beginnt mit den „Orogon Dunes“, die sich über viele Meilen hinziehen und eine gewisse Afrika-Optik herbeizaubern. Als einer der 9 Leuchttürme vor uns hellweiss leuchtet, beschliessen wir, hinaufzulaufen. Der „Keeper“ des noch arbeitenden Leuchtturms gibt uns eine exklusive Führung mit allem Drum und Dran, zwei Tage später hätte der Leutturm für Touristen geschlossen. Wir sind die einzigen Besucher des Tages, was uns mal wieder in der Wahl unserer Reisezeit bestätigt. Die beeindruckende Küste Oregons zwingt uns trotz Regens zu einigen weiteren Sightseeing Stops. Wir übernachten in der Touristenhochburg Seaside im (wie so oft) Best Western Hotel, diesmal mit Seeblick aus dem Zimmer.

Heute ist schon Samstag, der vorletzte Tag unserer Reise. Wir machen noch einen Stop in Astoria, wo man vom Astor Column den Columbia River in den Pacific laufen sieht.
Auf geht’s nach Seattle. Die Stadt beeindruckt uns vom ersten Moment: lebendig, überschaubar und liberal. Wir mieten uns ein Zimmer mitten drin, am Pioneer Sqare, was sich als gute Entscheidung herausstellen sollte. Gegen frühen Abend laufen wir die Waterfront ab und landen in Pike’s Pub & Brewery, ein Volltreffer, das dunkle Bier schmeckt und der Laden hat irgendwie Elan. Nach dem Essen zieht es uns in einen Pub nebenan und wir lernen in ca einer halben Stunde die komplette Stammkundschaft kennen. Die „wirkliche“ Halloweenparty in den Kneipen von Seattle macht noch mal richtig Spass.

Am letzten Tag geben wir um 11 Uhr unseren Wagen am Flughafen ab und fahren noch ein mal mit dem Bus in die Stadt. Wir durchqueren alle vier Etagen des Pike Place Market (Klüngelgeschäfte und Frischware) und durchschlendern die Gegend um den Pioneers Square. Mit dem Bus zurück zum Flughafen und dann wieder mit der BA zurück zum alten Kontinent, wo alles (zum Glück) nur halb so gross ist.

Nach zwei ereignisreichen Wochen können wir nur sagen: Wir haben für die kurze Zeit unheimlich viel gesehen, sind ca. 4900 km gefahren, die Menschen waren durchweg sehr nett und hilfsbereit und wir haben beide unser Lebenshöchstgewicht erreicht. Wir möchten uns nochmals bei Kerstin & Andi für die Übernachtungen bedanken, die vielen Tipps und das Brennen unserer ersten 300 Bilder. Wir wünschen Euch viel Glück für die Zukunft und noch viel Spass in Kalifornien. (Fotos: http://www.flickr.com/photos/andokedo/sets/1293845/)

Amerika, wir kommen gerne wieder.

Nina & Sascha


Comments:
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